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Hacker am Computer

«Die Schweiz rückt zunehmend in den Fokus von Cyberkriminellen, insbesondere das Gesundheitswesen», titelten wir in den ABC-E-News vom Juli 2026. Und: Cyberangriffe auf Schweizer Arztpraxen haben sich in den letzten zwei Jahren spürbar verändert: Sie sind gezielter, technisch raffinierter und treffen zunehmend auch kleine Einzelpraxen und Gruppenpraxen. Wer glaubt, zu klein und zu unbedeutend für Cyberkriminelle zu sein, irrt gefährlich. Patientendaten sind im Darknet bares Geld wert. Und die IT-Infrastruktur von Arztpraxen ist nach wie vor allzu oft ein offenes Scheunentor.

Ransomware: Wenn die Praxis am Montag nicht mehr startet

Gefährlich bleiben Erpressungstrojaner, die sogenannte Ransomware. Cyberkriminelle verschlüsseln dabei sämtliche Daten eines Systems: Patientendossiers, Terminkalender, Abrechnungen. Dann fordern sie Lösegeld in Kryptowährung. Bei Nichtzahlung, was das Bundesamt für Cybersicherheit BACS empfiehlt, landen die Daten im Darknet. Der Ablauf ist immer gleich: Eine einzige unbedacht angeklickte E-Mail genügt, und die Praxis steht still. Was für ein Spital meist schon schlimm ist, kann eine Einzelpraxis existenziell treffen.

KI-Phishing: Die perfekte Falle, die Sie kaum mehr erkennen
Vergessen Sie die fehlerhaften Phishingmails von früher. Heute generieren Cyberkriminelle mit Künstlicher Intelligenz (KI)-Werkzeugen wie WormGPT oder FraudGPT in Sekunden fehlerfreie, kontextgenaue E-Mails auf Deutsch. Und zwar perfekt auf die angepeilte Arztpraxis zugeschnitten, mit gefälschtem Absender einer Krankenkasse, eines Labors oder einer Softwarefirma. Über die Hälfte aller Phishingmails ist derzeit bereits KI-generiert. Und deren Erfolgsrate ist mehr als viermal höher als bei klassischen Angriffen.
Besonders perfide ist die Methode «Phishing-as-a-Service»: Cyberkriminelle mieten im Darknet fertige Angriffskits inklusive Support und Updates. Damit können selbst technisch unerfahrene Cyberkriminelle gezielte Angriffe auf Ihre Arztpraxis durchführen.

CEO-Fraud und Deepfakes: Ihre eigene Stimme gegen Sie
Auch für Arztpraxen ist der CEO-Fraud kombiniert mit Deepfake-Technologie eine Bedrohung: Cyberkriminelle klonen Stimmen und Gesichter, täuschen Autorität vor und fordern Mitarbeitende zu sofortigen Überweisungen oder zur Preisgabe von Zugangsdaten auf. Die psychologische Wirkung ist verheerend, denn das menschliche Gehirn vertraut vertrauten Stimmen instinktiv. Deepfake-Angriffe auf Unternehmen haben in letzter Zeit stark zugenommen.

Supply-Chain-Angriffe: Der Einbruch durch die Hintertür Ihrer Software
Alle Arztpraxen sind über ihre Praxissoftware, Labor-Schnittstellen und IT-Dienstleister mit einem Netz von Drittanbietern verbunden. Genau diese Lieferkette ist heute ein bevorzugtes Angriffsziel. Cyberkriminelle kompromittieren einen einzelnen IT-Anbieter und gelangen so gleichzeitig in die Systeme von ihren Kunden. Das Nationale Testinstitut für Cybersicherheit (NTC) hat 2025 in drei verbreiteten Schweizer Klinikinformationssystemen über 40 mittlere bis schwere Sicherheitslücken identifiziert, «offensichtlich und leicht auszunutzen». Die Praxissoftware kann also zur Eingangstür für Cyberkriminelle werden, ohne dass Sie selbst irgendetwas falsch gemacht haben.

Was Arztpraxen zwingend tun müssen
Das Schweizer Datenschutzgesetz (nDSG), in Kraft seit September 2023, verpflichtet Arztpraxen zu konkreten technischen und organisatorischen Massnahmen zum Schutz von Patientendaten. Bei Verstössen haften die fehlbaren natürlichen Personen. Deshalb müssen Arztpraxen nachweisen können, dass sie zumindest die folgenden Vorkehren gegen Cyberkriminelle unternommen haben:

  • Externes Backup: Führen Sie täglich verschlüsselte Datensicherungen durch, die physisch vom Praxisnetzwerk getrennt aufbewahrt werden: Entweder offline oder in einem sicheren Cloud-System. Ein internes Backup, das bei einem Ransomware-Angriff ebenfalls verschlüsselt wird, ist wertlos.
  • Updates: Spielen Sie sämtliche Softwareupdates und Betriebssystempatches sofort nach Erscheinen ein. Der Grund: Cyberkriminelle nutzen bekannte Sicherheitslücken meist innerhalb von Stunden aus. Erstellen Sie zudem ein vollständiges Inventar aller Geräte, Anwendungen und Systeme in Ihrer Arztpraxis: Nur was bekannt ist, kann geschützt und geupdatet werden.
  • Zugriffsschutz und Mehrfaktorauthentifizierung MFA: Vergeben Sie Zugriffsrechte nach dem «Need-to-Know-Prinzip»: Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter erhält nur jene Zugriffsrechte, die er oder sie für die eigene Aufgabe tatsächlich braucht. Aktivieren Sie für alle Systemzugänge die Mehrfaktorauthentifizierung MFA: Diese Kombination aus Passwort und einem zweiten Verifizierungsschritt per App oder SMS verhindert in einem Grossteil der Fälle, dass gestohlene Passwörter genutzt werden können.
  • Schulung des Praxisteams: Kein technisches System schützt Sie, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter auf eine täuschend echte Phishing-Mail hereinfällt. Führen Sie mindestens einmal pro Quartal kurze Schulungen und Simulationen durch. Trainieren Sie konkrete Regeln: Jede unerwartete Zahlungsaufforderung oder Zugangsdatenanfrage per E-Mail wird unabhängig bestätigt. Und zwar über eine bekannte Telefonnummer und nie über die in der E-Mail angegebene Nummer. Die wichtigste Regel lautet dabei: In der E-Mail erwähnter Zeitdruck und in der E-Mail geforderte Geheimhaltungsforderungen sind das verlässlichste Warnsignal für einen Cyberbetrug.
  • Notfallplan: Legen Sie in einem Notfallplan schriftlich fest, was bei einem Cyberangriff zu tun ist: Trennen Sie befallene Geräte vom Netzwerk, ohne sie auszuschalten. Fotografieren Sie Lösegeldforderungen. Zahlen Sie kein Lösegeld. Kontaktieren Sie Ihren IT-Dienstleister, erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und informieren Sie den kantonalen Datenschutzbeauftragten.
  • Freiwillige Meldepflicht: Arztpraxen unterliegen zwar nicht der obligatorischen 24-Stunden-Meldepflicht für kritische Infrastrukturen, die seit dem 1. April 2025 in der Schweiz gilt. Dennoch sind Arztpraxen aufgefordert, Cybervorfälle beim Bundesamt für Cybersicherheit BACS freiwillig zu melden. Und: Alle Phishingmails können kommentarlos an reports@antiphishing.ch weitergeleitet werden.

 

 

Schliessen Sie eine Cyberversicherung ab!
Cyberkriminelle lauern offenbar überall. Zur bestmöglichen Schadenminimierung im Cyberschadenfall zählt der Abschluss einer Cyberversicherung. Die Cyberversicherung ist als wirksame Präventivmassnahme heute ein Muss. Sie deckt die Kosten für die meist aufwendige Datenwiederherstellung nach einem Cyberangriff oder Cybervorfall, für Arbeitsausfälle wegen beschädigter IT-Systeme sowie für mögliche Lösegeldforderungen. Auch Schadenersatzforderungen im Zusammenhang mit Datenschutzverletzungen und ungewollter Schadsoftwareverbreitung sind abgedeckt. Zudem unterstützten die Spezialisten der Cyberversicherung Betroffene währen der Bewältigung des Cybervorfalls.

 

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